Dienstag, 5. Oktober 2010

Unter der Damendusche

Komatös liege ich im Seitenaus und arbeite gerade daran in meinen Körper genug Sauerstoff zu bringen um den Weg in die Umkleide zu schaffen. Ist das Training zu hart, bist Du zu schwach oder so ähnlich heißt es doch.
Gerade als ich mich aufraffen will, taucht schon der erste Geduschte auf. Sein Lächeln weckt in mir ein fragendes Gesicht und er verrät mir sein Geheimniss. "Ich habe heute in der Mädelsdusche geduscht." Nur um hier einigen vorschnellen Vorstellungen zuvor zu kommen. Während der Basketballübungszeiten befinden sich keine weiblichen Wesen in den Umkleiden inklusive Duschmöglichkeiten. Die Räumlichkeiten sind also in dieser Zeit unbenutzt. "Die sind viel sauberer.", schwärmt er weiter.
Gerade als ich ihn einen Mädchenduschenduscher nennen will, gibt ihm unser Coach sogar noch recht und schaltet sich in das Gespräch ein: "Außerdem riechen die Duschen viel besser. Die vielen Cremes und Pflegeprodukte hinterlassen nämlich einen super Duft." Mental schüttele ich den Kopf, zu mehr reicht mein Sauerstoff nicht mehr. Vielleicht deshalb schweife ich ein wenig ab, während die anderen beiden noch über ihre Frauenduschenerlebnisse philosophieren.
Eine Frauenmannschaft in unserem Verein. Trikottausch nach den Spielen die ich als Zusschauer mit vollem Einsatz besuchen würde. Und ein gemeinsames Trainingslager an der Costa Bravo mit Saunaeinheiten. Meine Gedanken spinnen immer weiter und die Trikots unserer zukünftigen, illusiorischen Frauenmannschaft werden immer kürzer.
"Aber die Abflüße sind deutlich öfter verstopft als bei uns. Das liegt an den langen Haaren." weckt mich der
"Frauenduschenduscher". Unser Coach entgegnet: "Ich glaube das machen die Mädels extra um die Duschen ein wenig unter Wasser zu setzen. Dann planschen die da und haben eine Menge Spaß."
Gerade da kommt ein weiterer Kreisligaveteran aus der Männerumkleide, bewaffnet mit Badelatschen und Handtuch um die Hüfte. Nur den letzten Satz hörend, murmelt er nur: "Mädchen planschend in Duschen. Den Film habe ich neulich nacht auf RTL 2 auch geguckt!"

P.S.: Mein passender Internetlink zeigt, was in der Dusche, egal ob Männer- oder Frauendusche nicht passieren sollte.

Mittwoch, 8. September 2010

Männer in der Kreisliga

Die Zeiten für richtige Männer sind schwer. Wo kann der richtige Mann denn heute noch Mann sein ?


Na gut, wir dürfen Bärte tragen....aber viel mehr Mann ist in der Gesellschaft doch garnicht mehr erlaubt/erwünscht. Es gibt kein Haus und Hof zu verteidigen, keiner geht mehr auf die Jagd und mit über 300 Stundenkilometer so richtig männlich über die Autobahn zu brettern ist doch echt idiotisch. Außerdem habe ich irgendwo gehört, Bärte seien im Moment ziemlich unbeliebt bei den Frauen.
Wo findet der heutige Mann also seine Spielwiese um die jahrtausende alten Gewohnheiten und Instinkte zu befriedigen ? Im Job, in der Familie oder im Theater ?
Nur beim Sport kann der Mensch diese essentielle Bewegung im Kampf um das Gewinnen mit körperlichen und geistigen Mittel gleichzeitig mit so einfachen Regeln ausleben. Hier kommt man abends erschöpft nach Hause und spürt die Schmerzen durch das Spiel Mann gegen Mann.
Basketball bietet eine Fülle von Moves und Abwehrtechniken die als besonders männlich gelten. Überall in den NBA Clips sehen wir hyperathletische Profisportler grenzenlose Flugeinlagen in krachende Dunks verwandeln sowie den Wurfversuch des Gegners mit einem Urschrei durch einen Monsterblock in die Zuschauerränge befördern. Dann die daraus folgende Gestik, der arrogant-aggressive Blick, der von Kameras eingefangen wird. Echt männlich, oder ?!
In der Kreisliga in der ich spiele sind solche "Männeraktionen" echt selten. Keine ringerschütternden Dunkings, Blocks nur wenn der Werfer vorher ins Stolpern gerät. Urschreie hallen nur, wenn man der Meinung ist die 14jährige Schiedsrichterin würde den Kreuzschritt gerade fehlinterpretieren.
Wenn wir Normalos also keine athletischen Fähigkeiten haben um das Spiel so richtig männlich zu zelebrieren müssen eben ganz besondere Tricks her. Ein Mannschaftskollege trinkt zum Beispiel nach dem Training gerne mal männlich eine Flasche Bier, der andere erzählt ganz männlich von seinen vielen Verletzungen, die er in seiner Karriere so zu überstehen hatte. Mit tiefer Stimme natürlich. Einige haben recht männliche Körperproportionen entwickelt.
Ich habe mich darauf spezialisiert zu erzählen wie männlich ich doch früher einmal Basketball zelebriert habe, damals als ich noch jung und knackig war. Und neulich ist mir doch wahrhaftig wieder ein Block gelungen, sogar mit anschließendem Tipp an das Brett. Einen Urschrei habe ich auch mal rausgelassen wie die Großen im Fernsehen. Nagut, mein Opfer war ein U16ern der mal mitrainieren wollte.
Aber männlich war das jetzt trotzdem, oder ?
Falls nicht, kann ich mir immernoch einen Bart wachsen lassen.

P.S.: Der aktuelle Link ehrt Manute Bol, den mit 2,31 Metern größten Basketballer, der jemals in der NBA gespielt hat und für seine Blocks berühmt war. Leider diesen Sommer verstorben. Übrigens ein richtiger Mann, denn schon als Jugendlicher soll er im Sudan der Legende nach einen Löwen mit dem Speer erlegt haben.

Freitag, 6. August 2010

Can I keep my jersey ?

"Can I keep my jersey" fragt sich Paul Shirley in seinem gleichnamigen Buch gleich mehrmals in seiner Basketballerkarriere die ihn quer über den Atlantik aus seinem Mutterland USA nach Spanien und Russland führt. Der Junge spielt nicht nur überdurchschnittlich gut Basketball (obwohl es für die NBA langfristig nicht gereicht hat), sondern schreibt auch noch mit Witz und Verstand über sein Vagabundenleben als Profisportler. Das englischsprachige Buch ist absolut empfehlenswert, genauso wie übrigens multiple Internetauftritte des Power Forward/Centers.
Ich jedenfalls habe mein Trikot gerade verloren. Ein Jahr erste Mannschaft und schon bin ich der Erste der gecuttet wird. Naja, so habe ich schließlich  die Chance genutzt und schnell eine zweite Mannschaft eröffnet. Für die Wenigtrainierer (so wie ich), die Wiedertrainierer (Jahrgang 63) und die Potenzialspieler (?). Was unser Coach damit wohl meint ? Mich jedenfalls nicht. Nett hat er meinen Rausschmiss zumindest ausgedrückt: "Vom Leistungsstand bist Du natürlich Erste, aber aufgrund Deiner Trainingsbeteiligung musst du leider Zweite spielen."
Wobei ich gerade beginne die Vorteile der Zweiten zu genießen. Das Training der Ersten zieht nämlich von Stunde zu Stunde, die die Saison näher rückt, immer weiter an. Der letzte Wenigtrainierer, der sich in das Erste Manschaftstraining traute, kotzte nach zwanzig Minuten.
Eine Sache, die mir zum Glück erspart bleibt, wir spielen magenschonende Winke-Winke-Zone.
Und mein Jersey kann ich auch nicht verlieren, die Zweite Mannschaft hat nämlich noch gar keinen Trikotsatz.